Jazz in der Samsonschule: HörMal! verbindet Denkmal und Gegenwart

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Quartier Samsonschule

Rund 100 Gäste sind am Wochenende in die Samsonschule in Wolfenbüttel gekommen, um die Veranstaltung „HörMal! – Musik und Denkmal“ zu erleben. Der Abend verband Einblicke in die Geschichte des Hauses mit seiner heutigen Nutzung und mit einem Konzert, das den Emil Berliner Saal füllte.

Die Samsonschule, 1786 als jüdische Freischule gegründet, ist heute Lern- und Gedenkort mit Dauerausstellung und zugleich Wohnheim für Studierende und Auszubildende. Das denkmalgeschützte Gebäude von 1896 steht für die Entwicklung deutsch-jüdischer Geschichte weit über die Region hinaus. Der Emil Berliner Saal, die ehemalige Schulaula, wurde zu einem multifunktionalen Veranstaltungsraum umgestaltet und ist nach dem ehemaligen Samsonschüler Emil Berliner benannt, dem Erfinder des Grammophons und der Schallplatte.

Zum Auftakt wurden Führungen durch das Gebäude angeboten. Einblicke in Geschichte und aktuelle Nutzung gaben Dr. Elke-Vera Kotowski für die Moses Mendelssohn Stiftung, Dr. Katrin Keßler sowie Mirko Przystawik von der Bet Tfila – Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa, Dr. Ulrich Knufinke vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und Dr. Stefan Brauckmann vom Moses Mendelssohn Institut.

In ihren Grußworten betonten Dr. Elke-Vera Kotowski für die Moses Mendelssohn Stiftung und Dr. Henning Haßmann für das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege die Verbindung von Denkmalpflege, historischer Einordnung und kultureller Nutzung. Michael Thiemann von der Käthe-Kollwitz-Schule Hannover stellte anschließend die beteiligten Musikerinnen und Musiker vor.

Es folgte ein Konzert mit der „KKS Kombo“ und dem Ensemble „Triolog“ sowie Solo-Performances von Len Fleischhauer und Jona Lipfert. Das Programm zeigte die Bandbreite des Jazz – und wie selbstverständlich sich der historische Ort als Konzertsaal nutzen lässt.

Was viele nicht wissen: Jazz ist in der Samsonschule kein neues Phänomen. In einer Hörstation der Dauerausstellung wird ein Brief aus dem Jahr 1928 vorgestellt, der das Leben im damaligen Schülerheim beschreibt. Darin heißt es:

„Unser junger Komponist […] regt sie wunderbar musikalisch an, und – was sie ganz besonders an ihm schätzen –: der Mann hat sogar Verständnis für die Jazzband. […] Sag nichts auf unsere Jazzband. Sie ist unser Stolz und unser Entzücken.“

„[…] im dritten ist Tanz und Jazz […] und dann hat die Jazzband das lustige und wirkungsvollste Schlußwort.“

Der Brief von Anna Wolfsdorf-Goldschmidt, veröffentlicht im Israelitischen Familienblatt vom 30. August 1928, verweist auf eine lebendige Musikkultur im Haus. Die Verbindung von Bildung, Alltag und Musik, die dort beschrieben wird, lässt sich an diesem Abend in anderer Form wiederfinden.

Veranstalter von „HörMal! – Musik und Denkmal“ war das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege. Die Veranstaltung wurde ermöglicht durch die Unterstützung des Kulturbüros der Landeshauptstadt Hannover, der Stiftung Niedersachsen, der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, der Sparkasse Hannover sowie der Braunschweigischen Sparkassenstiftung.

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