Quartiersentwicklung und Immobilienzyklen: Der Harburger Binnenhafen als Beispiel
Quartiersentwicklung und Immobilienentwicklung folgen nicht immer demselben Zeithorizont. Während einzelne Immobilien geplant, errichtet, genutzt und bereits wieder neu positioniert werden, kann sich die Transformation eines ganzen Quartiers über mehrere Jahrzehnte erstrecken. Der Harburger Binnenhafen bietet hierfür ein anschauliches Beispiel.
Bei einer Stadtteilexkursion gingen Dr. Stefan Brauckmann mit den Teilnehmenden der Frage nach, welche Folgen diese unterschiedlichen Entwicklungszyklen für Immobilien und Standorte haben.
Im Harburger Binnenhafen treffen auf engem Raum unterschiedliche Phasen der Stadt- und Immobilienentwicklung aufeinander: der historische Siedlungskern Harburgs und die Schlossinsel, denkmalgeschützte Relikte der Hafen- und Gummiindustrie, Konversionsflächen und Wohnungsneubau sowie das Wissensquartier Channel Hamburg mit Einrichtungen der Technischen Universität Hamburg und des Fraunhofer CML.
Die Entwicklung des Binnenhafens erstreckt sich inzwischen über mehrere Jahrzehnte. Einzelne Gebäude sind seit Jahren fertiggestellt und stehen teilweise bereits vor neuen Investitionsentscheidungen. Andere Grundstücke warten weiterhin auf ihre Entwicklung. Infrastruktur entsteht später als ursprünglich geplant, vorgesehene Nutzungen verändern sich und neue Anforderungen kommen hinzu.
„Ein Immobilienzyklus dauert vielleicht zehn oder zwanzig Jahre. Quartiere funktionieren anders. Der Harburger Binnenhafen zeigt sehr anschaulich, was passiert, wenn sich Gebäude bereits verändern, während das Quartier als Ganzes noch immer in Entwicklung ist“, erläutert Dr. Stefan Brauckmann.
Für die Projekt- und Bestandsentwicklung bedeutet dies, nicht nur die gegenwärtige Situation eines Standortes zu betrachten. Auch mögliche Veränderungen von Nutzungsstrukturen, Infrastruktur und Standortumfeld müssen in langfristige Überlegungen einbezogen werden.
Startpunkt der Exkursion war das Gabriel-Riesser-Haus von felixx student. Die Route führte unter anderem über die ehemalige NYHAG und den Kaispeicher Veritas zur Schlossinsel und in das Wissensquartier.
Dr. Brauckmann und Dr. Eike C. Winkler beschäftigen sich im Rahmen ihrer Stadtteilexkursionen seit 2011 mit dem Zusammenspiel von historischer Entwicklung, Stadtstruktur und Immobilienwirtschaft. Die zunächst für die Freie Lauenburgische Akademie entwickelte Reihe wird auch nach deren Auflösung fortgeführt.